Treffen sich ein Flaschensammler und die Backstreet Boys im Supermarkt ...

Hochsensibel-Blog-Alltag-einkaufen

Es ist Samstag. Der Kühlschrank. ist. leer. Es nützt auch nichts, wenn man noch ein paar Mal hinein starrt, so wie ich es tue, weil ich einfach manchmal aus Langeweile in den Kühlschrank gucke (machst du das auch?) und weil ich absolut keine Lust habe, heute das Haus zu verlassen, um einkaufen zu gehen. Die ganze Woche hatte ich Menschen um mich. Menschen in der Bahn. Menschen im Büro. Menschen auf einem Fest und Menschen im Treppenhaus. Kann man nicht mal die Treppe hochgehen ohne seinem Nachbarn zu begegnen? Puh. Ich hätte jetzt gerne eine menschliche Pause. Und dann das. Der Kühlschrank macht mir einen Strich durch die Rechnung. Aaaaber es nützt ja alles nix. Schuhe an und rein in den Supermarkt meiner hochsensiblen Träume.


Weil ich ja ein schlaues Kerlchen, Frauchen (wie sagt man das jetzt geschlechtergerecht?) bin, habe ich gleich mal die 30 Pfandflaschen aus der Abstellkammer mitgenommen. Nein, ich bin keine Flaschensammlerin, die haben sich nur etwas zu Hause angestaut. Keine Ahnung, wie das passieren kann, wenn man nicht vollkommen die Kontrolle über sein Leben verloren hat… *hust* Vor dem Pfandrückgabeautomat ist natürlich eine Schlange. Tante Helga von umme Ecke hat den Monatsvorrat Wasserkästen dabei und Techno Paul hat gestern Abend eine Party gefeiert, die scheinbar feucht fröhlich ausgegangen ist. Durchatmen, anstellen und ruhig bleiben. Jeder hat ein gutes Recht, Pfandflaschen zurückzugeben. Auch Tante Helga.


Je näher ich dem Pfandautomaten komme, desto mehr steigt mir der Geruch von abgestandenem Bier in die Nase. Die Bierdosen, die in dem Automaten zerdrückt werden, hinterlassen ihre Spuren und ich möchte eigentlich nicht mehr einatmen. Wenn am Pfandautomaten nichts los ist, halte ich normalerweise während ich davor stehe, die Luft an. Ja, wirklich. Ich kann das nicht riechen! Geht nicht. Aber wenn vor einem der liebe Techno Paul in Zeitlupe seine Bierdosen einschmeißt, weil sein Kater bis nach Bagdad reicht, wird es schwierig mit dem Luft anhalten. Es sei denn ich wäre ein Apnoetaucher. Das sind Freitaucher, die bis zu 22 Minuten die Luft anhalten können. Die haben sicherlich keine Schwierigkeiten bei der Pfandrückgabe. Echte Glückspilze.


Geschafft! Die ollen Pfandflaschen bin ich los und laufe durch die Obst- und Gemüse-Abteilung. Schon schön, wie die das Obst immer so akurat aufbahren. Geht trotzdem nichts über einen Wochenmarkt. Als ich an den Bananen vorbeilaufe, muss ich kurz schmunzeln. Die gelben Früchte erinnern mich an mein Buch „Ich bin hochsensibel, du Arsch!”. Da sind Bananen auf dem Cover und auch sonst ist das Buch relativ bananig. Lies es selbst. 


Ich schnappe mir im Vorbeigehen eine Zucchini und habe auch ansonsten meine Einkaufsliste gut im Griff. Bin nicht so der Impulsshopper. Außer bei Gummibärchen. Aber die sind bunt und süß und zuckrig und da sind bunte Sachen drauf. Das zählt nicht. Als ich vor einer Auswahl von gefühlt 200 verschiedenen Müslisorten stehe, ertappe ich mich dabei, wie ich das Lied, das durch die Lautsprecher tönt, mitsumme. Gibts, ja gar nicht. In meinem Marketing-Studium habe ich gelernt, dass eine leise Musik im Hintergrund stark das Wohlgefühl der Kunden beeinflusst und damit auch die Summe, die am Ende auf der Kassenanzeige erscheint. Jetzt bin ich selber Opfer des Gedudels geworden (klingt ein bisschen wie 80er, 90er Remix, auf jeden Fall sind es echte Ohrwurmlieder). An der Kasse angekommen, summe ich immernoch “Quit playin’ games with my heeeeeart, with my heeeeeart, with my heeeeeart. I should have known from the staaaart…” 


Piep. Piep. Piep. Piep. Piep. Die Kassiererin zieht meine Einkäufe über die Kasse und ich frage mich, wie die gute Frau nicht komplett wahnsinnig werden kann. Den GANZEN Tag hört sie dieses Gepiepe und ist immer noch die Ruhe selbst. RESPEKT. Ich hätte mich wahrscheinlich schon vor misophonischer Verzweiflung (gibt es das Wort?) in tausend Teile aufgelöst. Ich merke, wie mir die Dame hinter mir immer näher auf die Pelle rückt. Das ist soooo deutsch. Immer schön Schlange stehen, aber dann drängeln. Als ob es davon schneller gehen würde. 


Die Dame hinter mir an der Kasse scheint zu glauben, dass jeder Zentimeter, den sie mir näher kommt, sie auch schneller an die Reihe kommen lässt. Mittlerweile rieche ich ihr Deo und identifiziere es als Drogerie-Eigenmarke mit dezenter Schweißnote. Möchte man das? Nein. Ich möchte das nicht. Und doch bin ich völlig ausgeliefert in der piependen Schweiß-Deo-Hölle. Aber wie mache ich ihr das jetzt klar? Hat sie Dirty Dancing gesehen? „Mein Tanzbereich, dein Tanzbereich”. Um mein Unwohlsein zu verdeutlichen mache ich einen klaren Schritt nach vorne. Weg von der Frau, die nur allzu gerne mit mir kuscheln würde. Und was macht sie?! Sie denkt sich: „Mensch, super! Noch einen Schritt nach vorne” und tut es mir gleich. Kein Kommentar...


„28,49 € bidde!” Oh, Realität. Supermarkt. Kasse. Die Kassiererin möchte Geld von mir und schiebt noch ein „Payback Kadde?” hinterher. Nee, Payback Kadde hab ich nicht. Aber genug hab ich. Also nix wie ab nach Hause, wo mich meine neue Fußmatte erwartet, auf der steht: „Herzlich Willkommen wäre übertrieben!”. Falls mir die Dame auf Kuschelkurs folgt, weiß sie also gleich mal, wie der Hase läuft.


Sei spritzig – sprudel über!


Deine Jasmin

Übrigens: Wenn du immernoch einen Ohrwurm von “Quit playing Games” von den Backstreet Boys hast, ist das völlig normal. Aber wie wirst du ihn wieder los? Die Wissenschaft sagt: Kaugummi kauen hilft! Das Kauen aktiviert die Muskeln, die auch für das innere Singen des Ohrwurms zuständig sind und lenkt diese ab. Aber bitte ohne zu schmatzen… ;)

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